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Was können herkömmliche Holzbaubetriebe vom BSP erwarten und welche Möglichkeiten stehen ihnen offen, um konkurrenzfähig zu bleiben?

"BSP und Holzrahmenbau mit guter Zukunft" - Schweizer Holzbau

 
ElementbautischVakuumpresse

BSP und Holzrahmenbau:

Beide mit guter Zukunft

Ein jährliches Marktwachstum von 20 bis 30 % sowie viele Prestigeprojekte: Mit dem Brettsperrholz erhält der Holzrahmenbau einen ernst zu nehmenden Konkurrenten. Massivholz-Häuser sollen in Zukunft bausatzmässig eingekauft werden können. Eine Entwicklung, die nicht spurlos am traditionellen Holzrahmenbau vorbeigehen wird. Bei der Woodtec Fankhauser GmbH, die Hunderte von Betriebe in beiden Bereichen ausgerüstet hat, stellt man sich die Frage: Was können herkömmliche Holzbaubetriebe vom Brettsperrholz erwarten und welche Möglichkeiten stehen ihnen offen, um konkurrenzfähig zu bleiben? Antworten darauf gibt dieser Beitrag.

Schweizer Holzbau, Heft 11 2012

© Schweizer Holzbau, 2012

Bereits seit über 10 Jahren ist die woodtec Fankhauser GmbH, Vordemwald, als Anlagenbauer für die Produktion von Brettsperrholz (BSP) tätig. Man setzt dabei auf Vakuumpressen, die sich durch eine niedrige Investition, geringe Unterhaltskosten und – dank der anpassungsfähigen Pressmembran – hervorragende Pressresultate auszeichnet. Laut Thomas Fankhauser, Gründer und Geschäftsführer des international tätigen Kleinunternehmens, ist der Mythos falsch, dass BSP in erster Linie ein Industrieprodukt von Grossbetrieben ist. «Von den 21 momentan in Betrieb befindlichen Anlagen fallen rund 20 % auf traditionelle Sägewerke, die heute vor allem als Zulieferer von BSP-Produkten tätig sind», erklärt Fankhauser. Fast die Hälfte der Anlagen werde jedoch von KMU betrieben, die im herkömmlichen Holzbau tätig sind. Grossfirmen, die sich ausschliesslich auf die BSP-Produktion spezialisiert haben, kommen bei öffentlichen Bauten oder Überbauungen häufiger zum Zug, da fehle vielen kleineren Holzbaubetrieben einfach das Volumen. Das sei aber bei Weitem nicht der einzige Markt, meint Fankhauser.

Mit eigener BSP-Produktion Wertschöpfung erzeugen

Die Hartmann Holzbau GmbH in Hard A war eine der Pioniere in der Produktion von BSP und von Anfang an mitdabei. «Zusätzlich zu unserem traditionellen Holzrahmenbau, wollten wir uns durch die Vorteile von BSP neue Möglichkeiten eröffnen», sagt Geschäftsführer Hubert Hartmann, der BSP nur für eigene Bedürfnisse produziert. Wäre es aber nicht einfacher, BSP zu kaufen, als dieses selbst zu produzieren? Hartmann verneint ausdrücklich. Natürlich sei Zukaufen von BSP heute besser möglich als noch vor Jahren, aber immer noch problematisch. Bei Standardgrössen hat man viel Verschnitt, genau auf das jeweilige Projekt zugeschnittene Spezialanfertigungen sind teuer. «Mit unserer manuell beschickten Vakuumanlage sind wir da viel flexibler», erläutert Hartmann. Einerseits könne man Standard-BSP herstellen, das genau auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnitten sei und die verfügbare Industriequalität bei Weitem übertreffe. Andererseits könne man spezielle Produkte herstellen. Für Sichtflächen sind z. B. besondere Oberflächen verwendbar oder andere Holzarten: Lärche, Eiche, Zeder. Das erzeugt hohe Wertschöpfung.

Anderer Vorteil der eigenen Vakuumanlage: man kann Hohlkästen produzieren, die für Dächer und Decken verwendet werden. Diese bestehen aus einem herkömmlichen Holzrahmen der oben und unten mit zwei kreuzweise verleimten Holzschichten verbunden wird. Bei der Elementdicke liegen sie genau zwischen herkömmlichen Balkentragwerken und den relativ dünnen BSPMassivholzelementen. «Der Vorteil ist, dass sie dank der Klebstoffverbindung die statischen Eigenschaften eines Flächentragwerks besitzen, jedoch weniger Material verbrauchen als Massivholzplatten», erklärt Fankhauser. Zusätzlich bietet diese Art von Elementen auch Raum für direkt integrierte Isolation und Installationen, wie man das im Holzrahmenbau gewohnt ist.

Der Einstieg in die BSP-Produktion muss jedoch genau überlegt sein. Dabei spielt nicht so sehr das vorhandene Know-how eine Rolle. Eine Leimbaugenehmigung, wie sie in EU-Ländern benötigt wird, ist relativ einfach zu erhalten, der Klebstoffauftrag ist automatisiert und die Beschickung auf Einfachheit ausgelegt. Auch eine Produktlizenz, wie sie Zulieferer im EU-Raum benötigen, wird von Woodtec zur Verfügung gestellt. Hingegen ist ein hochwertiger Hobelautomat und eine beheizte Produktionshalle ein absolutes Muss und eine Keilzinkenanlage für eine effiziente Produktion empfehlenswert.

Der grösste Vorteil des BSP liegt klar in seinen statischen Eigenschaften. Dadurch können Elemente schlanker hergestellt werden und sind über längere Distanzen freitragend. «Wir verwenden BSP oder Hohlkästen für Deckenelemente, was uns eine grössere Raumhöhe ermöglicht », sagt Hartmann. «Für Wände benutzen wir normalerweise traditionelle Holzrahmen. Wir haben jedoch auch schon BSP verwendet. Das erlaubt dünne Wände und lässt viel Raum für die Isolation. » Die statischen Eigenschaften des BSP sind auch interessant, wenn es um erdbebensicheres Bauen geht und ermöglichen mehrgeschossige Bauten, die in Holz gefertigt werden. Andere Vorteile des BSP: Seine Homogenität, welche die Platte leicht zu bearbeiten macht. Türen und Fenster können einfach aus dem Element ausgeschnitten werden. Das ist nicht nur effizient, sondern erfordert auch weniger Fachkenntnisse als im herkömmlichen Holzrahmenbau.

Hohe Kosten des BSP als Nachteil

Für Franz Hauzenberger, Projektund Produktionsleiter bei der Künzli Holz AG, Davos, sind diese Vorteile zwar interessant, aber nicht völlig überzeugend. «Es ist nicht so, dass BSP der totale Überflieger wäre», meint er und weist eine nennenswerte Konkurrenz für den traditionellen Holzrahmenbau vonseiten des BSP ab. Den hauptsächlichen Nachteil von BSP sieht der dipl. Techniker HF Holzbau nicht bei der Produktion, sondern bei den hohen Materialkosten. Da es sich bei BSP um Massivholz handelt und die Nachfrage nach Holz und somit der Preis von BSP durch eine günstige Marktlage in den nächsten Jahren eher steigen dürfte, hält man sich bei der Künzli Holz AG für durchaus wettbewerbsfähig. Ein weiterer Vorteil von herkömmlichen Holzelementen ist der hohe Vorfertigungsgrad. Kabel, Isolation und Leitungen können schon bei der Herstellung in das Element integriert werden. Dass man mit dem BSP dieselbe Effizienz erreichen wird, scheint unwahrscheinlich.

Natürlich müssen Holzbaubetriebe am Ball bleiben, wenn sie auch in Zukunft im Holzbau mithalten wollen. «Um mit der einfachen Produktion von BSP konkurrieren zu können, versuchen wir schon in der Planung, Elemente wenn möglich immer gleich zu planen und aufwendige Konstruktionen zu vermeiden », erläutert Hauzenberger. Die Firma investiert regelmässig in Werkzeuge und Anlagen, welche die Arbeitsabläufe in der Holzelementproduktion beschleunigen. So hat man sich bei der Künzli Holz AG in diesem Jahr dazu entschieden, in einen Woodtec-Elementbautisch zu investieren. Im herkömmlichen Holzrahmenbau ist der Elementbautisch seit gut 15 Jahren marktführend und wird von weit über 200 Betrieben in ganz Europa verwendet. Vonseiten Woodtec versucht man mit Zubehör und ständigen Erweiterungen den wachsenden Bedürfnissen der Holzbaubetriebe gerecht zu werden. «Wir haben festgestellt, dass viele Betriebe bei Dach- und Deckenelementen immer das gleiche Sprungmass benutzen und die Elemente fast identisch sind», erklärt Fankhauser. Dies habe 2008 zur in der Branche sehr geschätzten Dach- und Deckenvorrichtung geführt, mit der man diese Art Elemente in Serie produzieren kann. Bei einem Auftrag für ein Flachdach konnten bei Künzli innerhalb von vier Tagen rund 35 m3 Holz plus Isolation in 1400 m2 Elemente verarbeitet werden, mit durchschnittlich 3,5 Arbeitern.

Hohlkästen auf Elementbautischen

Mit der pneumatischen Pressvorrichtung brachte Woodtec im letzten Jahr eine zusätzliche Erweiterung auf den Markt. «Ziel war es», so Fankhauser, «den Holzbaubetrieben die Verleimung von Hohlkästen und Rippendecken zu ermöglichen.» Statt wie in der Vakuumpresse zwei Holzlagen kreuzweise auf der Unter- und Oberseite des Gerippes zu verleimen, wird dabei der Holzrahmen mit Holzwerkstoffplatten (OSB, Dreischichtplatten) unten und oben beleimt und auf dem Elementbautisch gepresst. Hauzenberger schätzt daran, dass einerseits der Druck genau überwacht und das ganze Paket in einem einzigen Arbeitsgang gefertigt werden kann (halbe Produktionszeit).

Bei Woodtec Fankhauser setzt man alles daran, dass Gewerbebetriebe auch in Zukunft konkurrenzfähig bleiben können. «Unser Ziel ist es, unsere Kunden so zu unterstützen, dass sich in Zukunft BSP, Hohlkästen und herkömmliche Holzelemente ideal ergänzen und immer effizienter hergestellt werden können», meint Fankhauser. Für ihn gibt es mehr als einen Weg, auch in Zukunft wettbewerbsfähig bleiben zu können und er freut sich, mit innovativen Kunden an neuen Lösungen zu arbeiten.

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Zusätzlich zu unserem traditionellen Holzrahmenbau, wollten wir uns durch die Vorteile von BSP neue Möglichkeiten eröffnen
Hubert Hartmann
Um mit der einfachen Produktion von BSP konkurrieren zu können, versuchen wir schon in der Planung, Elemente wenn möglich immer gleich zu planen und aufwendige Konstruktionen zu vermeiden
Franz Hauzenberger
 
 



Veröffentlicht am:
11:35:27 28.11.2012 von CMS System Benutzer

Letzte Aktualisierung
13:00:10 04.07.2013